Nichts beginnt in der Geschichte ganz von vorne. Alles hat Vorläufer und Vorgeschichte. Auch das Jahr 1945 war für die sozialdemokratische Bewegung Neubeginn und Wiederanknüpfung zugleich!

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kommt es zu Bildung einer gesamtösterreichischen Wiederstandsorganisation in der sich sämtliche politische Richtungen, die unter dem Faschismus verboten wurden, zusammenfanden. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus werden im befreiten Österreich von den Alliierten vorwiegend Personen dieser Widerstandsorganisation als Beauftragte für die Lokalverwaltungen eingesetzt. In Sierning wird der Antifaschist H. Breirather am 5. Mai 1945 als Bürgermeister eingesetzt. Er leitet dieses Amt bis zur Wahl im November 1945.

Am 25. November 1945 finden die ersten Gemeinderatswahlen statt. Die ÖVP erringt mit 15 Mandaten die absolute Mehrheit und stellt mit Bgm. Platzer, der bereits in der Zwischenkriegszeit Sierninger Bürgermeister war, den ersten Mann in der Gemeinde. Spitzenkandidat der Sozialdemokraten war der Messerschmied Friedrich Bernauer. Fritz Bernauer wird 1945 auch zum Obmann der wiedergegründeten Sierninger Sozialdemokraten gewählt:

Der erste Ausschuss setzte sich zusammen:

Obmann: Friedrich Bernauer
Stellvertreter: Alois Leeb, Thomas Beranek
Schriftführer: Alois Leeb
Kassier: Ferdinand Holzer
Subkassier: Peter Neumayr, Leopold Kierer
Jugendreferent: Rudolf Blasi
Naturfreunde: Gottfried Ritzlmayr
Sängerbund: Gustav Hönig
Gewerkschaft: Josef Sturmberger
Kinderfreunde: Rudolf Prügl

Bei der Konstituierung der Steyrer Bezirksleitung am 5. Dezember 1945 wird Friedrich Bernauer als Vertreter des Steyrtales nominiert. Der Mitgliederstand beträgt am 2.12.1945 107 Personen. Am 1. Juni 1946 gehören bereits 256 Mitglieder, darunter 64 Frauen, den einzelnen Sektionen in Sierning an. Sierning war somit nach der Sektion Münichholz II die mitgliederstärkste Organisation im ganzen Bezirk Steyr.

Die Neugründung der Sektion Neuzeug-Sierninghofen nach dem 2. Weltkrieg



Bei den Gemeinderatswahlen 1949 kommt es zu leichten Gewinnen der Sierninger Sozialdemokraten. Der Stimmenanteil kann um 107 Stimmen verbessert werden und der Mandatsstand wird gehalten. Aufgrund der starken Verluste der ÖVP (minus 4 Mandate) wird die SPÖ mandatsstärkste Partei und stellt mit Fritz Bernauer nun das zweite Mal in der Geschichte unserer Gemeinde den Bürgermeister.

Der sympathische und volksnahe Bürgermeister Bernauer kann bei den Wahlen 1955 einen großen Wahlerfolg feiern. Mit 2410 Stimmen und 5 gewonnenen Mandaten erreichen die Sierninger Sozialdemokraten erstmals die absolute Mehrheit im Sierninger Gemeinderat.

Im Jahr 1957 werden von Josef Teufel erste Schritte zur Errichtung eines Volksheimes in Sierninghofen-Neuzeug gesetzt. Am 24.9.1958 konstituiert sich der Verein Volksheim Sierning. Mit dem Bau des Volksheimes wird am 16. Mai 1960 begonnen. Das Volksheim entwickelt sich rasch zum einem wichtigen Veranstaltungszentrum im aufstrebenden Ortsteil Sierninghofen-Neuzeug. Der jetzige Obmann des Vereins Volksheim ist Vizebgm. Josef Brameshuber.

Im Jahr 1961 können die Sozialdemokraten unter Fritz Bernauer ihre absolute Mehrheit im Gemeinderat weiter ausbauen. 1965 wird mit Fritz Bernauer erstmals ein Sozialdemokrat aus Sierning in den oberösterreichischen Landtag berufen. Mitte 1965 übernimmt Josef Teufel nach dem Tod von Bgm. Fritz Bernauer das Amt des Sierninger Bürgermeisters. Trotz der relativ kurzen Einarbeitungszeit als Bürgermeister wird die Wahl von 1967 zum überragenden Erfolg. Die Sozialdemokraten erreichen mit über 3000 Stimmen und 23 Mandaten ihr bis dato bestes Gemeindewahlergebnis.

Rund um die Gemeinderatswahlen 1973 kommt es zu Diskussionen über die Vertretung der Frauen im Gemeinderat. Unter den ersten 50 Kandidaten auf dem Wahlvorschlag der SPÖ befinden sich nur 3 (!) Frauen. Die erste war Hermine Starosta am unwählbaren 28. Platz. Erst 1979 kann mit Hilde Kerschbaum wieder eine Sozialdemokratin in den Sierninger Gemeinderat einziehen.

Bei der Wahl 1973 verlieren die Sozialdemokraten 3,6 % Stimmenanteil und 2 Mandate. Am 30. April 1974 legt Josef Teufel die Funktion des Bürgermeisters zurück. Zum Nachfolger wird Josef Breurather gewählt. Veränderungen gibt es auch in der Zusammensetzung des Gemeindevorstandes. Neuer 1. Vizebürgermeister wird August Bramberger (Pichlern), 3. Vizebürgermeister Willi Mühleder (Sierning) und neuer Gemeindevorstand Otto Renner (Letten). Der Mitgliederstand beträgt 1974 832 Personen. Das 1000. Mitglied kann Ende 1978 gefeiert werden.

Am 30. September 1977 scheidet Hermann Leithenmayr aus dem Sierninger Gemeinderat aus und übersiedelt nach Steyr. Leithenmayr wird 1991 vom Steyrer Gemeinderat zum Bürgermeister von Steyr gewählt. Vorher war er als Zentralbetriebsratsobmann der Steyr-Daimler-Puch AG und Abgeordneter zum Nationalrat tätig.

Bei den Gemeinderatswahlen 1979 können die Verluste von 1973 teilweise wieder wettgemacht werden. Es wird 1 Mandat sowie ein Platz im Gemeindevorstand hinzugewonnen. 1980 wird August Bramberger zum neuen Vorsitzenden der Sierninger Sozialdemokraten gewählt. 1983 wird die „Bildungsplattform“ gegründet (Arbeitskreis für die innerparteiliche Bildungsarbeit). Dies war zu dieser Zeit eine Einzigartigkeit in Oberösterreich.

Am 17. Juli 1986 gibt Bgm. Josef Breurather seinen Rücktritt als Bürgermeister für das Jahresende bekannt. Nachfolger wird August Bramberger. Im Februar 1987 wird Karl Mayrhofer (Gründberg) neuer Vorsitzender der Sierninger Sozialdemokraten. Im April des gleichen Jahres verunglückt Bürgermeister August Bramberger bei einem Verkehrsunfall tödlich. Alois Platzer wird vom Sierninger Gemeinderat zum Nachfolger gewählt.

Bei den Gemeinderatswahlen 1985, 1991 und 1997 wird jeweils ein Mandat verloren. Der Mandatsstand der Sozialdemokraten im Sierninger Gemeinderat beträgt nach der Wahl 1997 19 Mandate. Bei der Gemeinderatswahl 1997 wird der Bürgermeister erstmals in einer direkten Volkswahl ermittelt. Der Kandidat der Sierninger Sozialdemokraten, Alois Platzer, erhielt über 58 % der abgegebenen Stimmen und wird damit bereits im 1. Wahlgang als Bürgermeister bestätigt.

Im Jahr 1994 übernimmt Manfred Kalchmair den Vorsitz der Sierninger Sozialdemokraten. Mit Kerstin Mayrhofer stellen die Sierninger Sozialdemokraten 1997 die jüngste Gemeinderätin in ganz Oberösterreich. 1997 waren die Sierninger Sozialdemokraten die erste SPÖ-Ortsorganisation in ganz Österreich, die über eine eigene Homepage im Internet verfügt. Die innerparteiliche Kommunikation über eMail wird stark forciert und ausgebaut.

Im September 1999 erklärt Alois Platzer seinen Rücktritt als Bürgermeister mit Jahresende. In einer geheimen Abstimmung wird Manfred Kalchmair zum sozialdemokratischen Kandidaten für die bevorstehende Bürgermeisterwahl nominiert. Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 9. April 2000 kann Kalchmair über 61 % der abgegebenen Stimmen erreichen und wird damit bereits im ersten Wahldurchgang zum neuen Sierninger Bürgermeister gewählt. Mit Andrea Möslinger wird im Jahr 2000 erstmals eine Sozialdemokratin in den Sierninger Gemeindevorstand bestellt.

Am 28. März 2002 übernimmt Bernhard Bräuer den Vorsitz der Sierninger Sozialdemokraten. Zu seinen Stellvertretern werden Maria Brameshuber (Sierninghofen-Neuzeug) und Georg Bramberger gewählt (Sierning). 

Am 12. August 2002 wird unsere Gemeinde von einem der schwersten Hochwasser der letzten Jahrzehnte heimgesucht. Die Ortsteile Pichlern, Letten, Neuzeug und Gründberg werden stark in Mitleidenschaft gezogen. In zahlreichen Straßenzügen muss die Bevölkerung evakuiert werden: Uferstraße, Dammweg, Hangstraße, Wehrgraben, Messerergasse, Griesgasse. Vom Roten Kreuz Sierning wird in der Volksschule Sierninghofen-Neuzeug eine Versorgungszentrale für die evakuierte Bevölkerung eingerichtet. Die Sommerhuberbrücke von Pichlern nach Aschach/Steyr und ein Teil der Pichlerner Wehr wird von den Fluten weggespült.

Im September 2003 feiern die Sierninger SPÖ-Frauen ihr 50jähriges Bestehen. Im Volksheim Sierninghofen-Neuzeug findet dazu eine Festveranstaltung statt. Bei den im gleichen Jahr stattfindenden Gemeinderatswahlen (28. September 2003) erzielen die Sierninger Sozialdemokraten mit ihrem Spitzenkandidaten Bgm. Manfred Kalchmair das beste Wahlergebnis in ihrer Geschichte. Insgesamt entfallen 66,1 % der Stimmen auf die SPÖ, die ÖVP fällt auf einen historischen Tiefstand von 28,10 %. Die Freiheitlichen erreichen 5,8 %. Die SPÖ gewinnt 6 Sitze im Gemeinderat und verfügt über eine Zwei-Drittel Mehrheit (25 Sitze). Im Gemeindevorstand steht es 7 (+2) zu 2 (-1) für die Sozialdemokraten. Die Freiheitlichen verlieren ihren Sitz im Gemeindevorstand.

Am gleichen Tag finden auch Bürgermeisterdirektwahlen in Sierning statt. Der sozialdemokratische Kandidat Bgm. Manfred Kalchmair erreicht 76,2 % der Stimmen. Seine Mitbewerber Reinhold Baumschlager (ÖVP) und Wolfgang Heumann (FPÖ) erzielen 20,0 bzw. 3,8 %.

Ergebnisse der Sierninger Gemeinderatswahlen von 1945 bis 2003

Am 25. März 2007 wird im Rahmen der Bezirkskonferenz der SPÖ Bezirksorganisation Steyr das politische Lebenswerk von zwei Sierninger Sozialdemokraten gewürdigt. Vizebgm. Josef Brameshuber und der langjährige Gemeindevorstand und Fraktionsvorsitzende Josef Datinger erhalten aus den Händen von NR Ing. Kurt Gartlehner die Viktor-Adler-Plakette überreicht. Die nach dem Parteigründer benannte Ehrung ist die höchste Auszeichnung, die die SPÖ zu vergeben hat.

Die Landtagswahl am 27. September 2009 führt zu einer herben Niederlage für die Sozialdemokraten. In Sierning verliert die SPÖ 15% der Stimmen und muss den ersten Platz an die ÖVP abgeben. Der Stimmenanteil beträgt nur mehr 36,3%. Bei der am gleichen Tag stattfindenden Gemeinderatswahl können die Sierninger Sozialdemokraten mit 56,2% trotz starker Stimmenverluste (- 9,8%) ihre absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit verteidigen. Es müssen allerdings vier Mandate abgegeben werden, womit die neue Sitzverteilung wie folgt lautet: SPÖ 21 (-4), ÖVP 11 (+1), FPÖ 4 (+2), BZÖ 1 (+1). Im Gemeindevorstand verliert die SPÖ 2 Sitze und kommt nun auf 5 Vorstandsmandate. Ein eindeutiges Ergebnis liefert die Bürgermeisterdirektwahl. Der Sozialdemokrat Manfred Kalchmair setzt sich mit 85,9% klar gegen seinen Herausforderer Wolfgang Heumann von der FPÖ durch. Die ÖVP hat auf die Nominierung eines eigenen Kandidaten verzichtet.

Bei der Landtagswahl am 27. September 2015 erzielt die SPÖ in der Gemeinde Sierning ihr bisher schlechtestes Ergebnis und fällt hinter der ÖVP und der FPÖ auf den dritten Platz zurück. Bei der am gleichen Tag stattfindenden Gemeinderatswahl können die Sierninger Sozialdemokraten mit Bgm. Manfred Kalchmair an der Spitze allerdings ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Trotz des Verlustes von einem Mandat  wird die absolute Mehrheit mit 20 errungenen Mandaten klar verteidigt. Die Grünen ziehen mit 2 Mandaten erstmals in den Sierninger Gemeinderat ein. Die FPÖ gewinnt ebenfalls 2 Mandate hinzu. Im Gemeindervorstand kommt es zu einer Verschiebung zugunsten der Sozialdemokraten, die nunmehr 6 Mitglieder (+1) stellen.